Die Kunst des Liebens | Review | Autor: Christian Bauer

Wir empfinden beispielsweise die erotische Liebe, die nur ein Teil selbiger ist, als etwas Wunderbares, das man spürt, das wie von selbst kommt und sollte es sich wirklich um ein echtes Gefühl handeln, auch auf Dauer anhält.
Eine damit verbundene Leichtigkeit, sowie das Feuer, das vor allem die Kennenlernphase kennzeichnet, ist vielfach der Grund, warum Menschen sich darauf einlassen, um später enttäuscht zu werden, da die anfängliche Euphorie verfliegt. Viele Menschen scheinen geradezu süchtig nach diesem Gefühl, das Kribbeln, das damit verbunden ist und die Verrückheit gegenüber bzw. nach dem Partner.

Erich Fromm (1918-1980) war ein deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe, der in Folge der Machtergreifung der Nazis 1934 zunächst in die Schweiz und später die USA emigrierte. Mir geht es bei dieser Review mit dem Autor auch darum aufzuzeigen, welche Menschen zugunsten der Vorstellungen gesellschaftszersetzender Elemente, die ihren Fanatismus zugunsten der perversen Idee vom Einheitsmenschen im Hass gegen Juden suchten, unserem Kulturraum verloren gingen.
Beobachtet man die Entwicklungen in Österreich, Deutschland und Europa fern vom Meinungspluralismus und dem nicht nur aufkeimenden, sondern bereits reell in den Köpfen existenten oftmals auch „tribalistisch zugezogenen“ Hass, so sollte man sich hellhörig zeigen. Doch nun zurück zum eigentlichen Thema.

Fromm geht es in seinem Buch darum, aufzuzeigen, dass Liebe nicht um ihrer selbst willen ent- und besteht, sondern wie jede Kunst gelernt sein will.
Es geht nicht nur darum, durch Attraktivität(beispielsweise durch Kleidung, gute Manieren, gepflegtes Äußeres) die Voraussetzungen dafür zu schaffen, Liebe zu empfangen, sondern sich in diesem Zusammenhang auch selbst lieben bzw. mit sich selbst leben zu können.
Zwei Menschen verlieben sich ineinander, wenn sie das Gefühl haben, das beste Objekt (nicht umsonst spricht man vom „Objekt der Begierde“), das hinsichtlich des eigenen Tauschwerts am Markt erschwinglich scheint, gefunden zu haben.
Wann immer Gefühl im Spiel ist, ist auch das Marketing nicht weit und führt uns vor Augen, worauf es wirklich ankommt und was nach anfänglicher Euphorie oftmals zur späteren Enttäuschung führt. Es zählt eben nicht das Sein, der tatsächliche Inhalt, sondern die Vorgabe, die Inszenierung, was erzeugt, suggeriert und somit in weiterer Folge verkauft werden kann.
Auf Grund des Mangels an Echtheit, der damit verbunden scheint, orientiert man sich vor allem am Haben, denn am Sein und versucht, den Partner zu besitzen, umzuformen und in weiterer Folge einzuengen(„Domestizierung“). Dies hat wenig mit Liebe zu tun, wenn man bedenkt, dass selbige die Fähigkeit ist, sich mit dem Erleben des Fremden als dem Eigenen eins zu fühlen.

Wer unter diesen Voraussetzungen meint, die Kunst des Liebens sei nichts, das man erlernen müsse, braucht das Buch nicht aufzuschlagen, es sei denn, es dürstet ihn nach feingeistiger Zerstreuung, die zum Schmunzeln anregt.
Wer sich über Theorie und Praxis selbiger informieren möchte, dem möchte ich Erich Fromms Werk „Die Kunst des Liebens“ wärmstens ans Herz legen.


Dies war der dritte Streich. Der Nächste folgt zwar nicht zugleich, da es etwas Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen wird, jedoch bin ich auf den Geschmack gekommen. Ich hoffe, ich konnte mit meiner Review und etwas darin verpackter Gesellschaftskritik ein wenig Interesse wecken und würde mich sehr über Kommentare von eurer Seite freuen!

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