Julia Engelmann „Stille Wasser sind attraktiv“ | Gedankenspiel [Autor: Christian Bauer]

Ich möchte diesen Beitrag nutzen, um einmal nicht über Bücher, sondern ein Gedicht von Julia Engelmann zu schreiben.

Da es ein ziemlich langes Gedicht ist und die ausgeführte Kernessenz Bücher füllen würde, beschränke ich mich auf die ersten Zeilen, unbeschadet der Tatsache, dass es definitiv wert ist, weiter zu lesen.

 

„Ich, ich bin ein Nerd, aber kein schicker Hipster,
mehr ein Vieldenker, voll Hirngespenster
ich surfe auf keiner Mode-Klischee-Retro-Welle, ich surfe im Internet
such Lesebrillengestelle für echte Augen,
um Bücher zu lesen und Texte zu schreiben
und nicht, um Fotos zu schießen und mich bei Facebook zu zeigen

Und manchmal hab ich das Gefühl, ich bin anders und allein
keiner scheint mir ähnlich und keiner scheint mir nah zu sein,
und manchmal hab ich das Gefühl, niemand ist wie ich,
Ein Platz, an den ich passe – den gibt es für mich nicht“

 

Es scheint Segen und Fluch zugleich, dass alte Seelen, die das Gehirn als Muskel begreifen, der nicht durch möglichst seltenes Benutzen konserviert, sondern aktives Tun aufgebaut, geformt und in weiterer Folge definiert werden möchte, mehr und mehr den Weg der Abkapselung bzw. der Isolation gehen.

In einer Welt, in der sich Diversität mittlerweile durch die Farbe der Haut, Haarwuchs, Körpermaße, Kleidung, Spachtelmasse, oder fassen wir es zusammen, schlicht Äußerlichkeiten und damit verbunden Imagepflege zu bestimmen scheint, bleibt wenig Platz für das reale Sein, neben dem oftmals ge- und überzeichneten Schein des Einheitsbreis.

Durch den Mangel an Echtheit finden wir es mittlerweile chique, uns fernöstlichen Methoden der Geistesruhe, Stimulation und Körperkontrolle hinzugeben, begreifen jedoch nicht, dass jene nicht dazu entwickelt wurden, um die Grundlage dafür zu schaffen, in einer längst nicht mehr humanen Gesellschaft hinsichtlich der an einen gestellten Erwartungen zu funktionieren.

Wenn ich mich an einen Fluss setze, dem lieblichen Rauschen des Wassers lausche, den Hauch des Windes spüre, mich in weiterer Folge der vollkommenen Harmonie der Natur hingebe, oder einfach nur ein gutes Buch lese und der Bilder dazu in meinem Kopf erfreue, so fühle ich ein Stück Freiheit, wie sie Jean-Jacque Rousseau beschrieben hat und welche ich vielleicht auch als Grundessenz meines Standpunktes wiedergeben möchte.

„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will!“

 

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