Gedanken zu Machiavellis „il principe“ | Autor: Christian Bauer

Die uns vorliegende Abhandlung, leider erst Jahre nach dem Tod Machiavellis mit päpstlicher Druckerlaubnis 1532 publiziert und später in verschiedenste Sprachen dieser Welt übersetzt, beschreibt wohl in nie dagewesener Deutlichkeit den Unterschied zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik und hob gleichzeitig die allgemeine Betrachtung der Politik von der moralingetränkten theistisch bestimmten auf eine wissenschaftliche Ebene.
Weder rechtfertigte Machiavelli die Ziele, die nach Gewalt verlangen, noch plädierte er für uneingeschränkte Rücksichtslosigkeit. Er richtete seine Handlungsanweisungen schlicht nicht am christlichen Moralkodex aus, sondern bezog sich auf die nach seiner Beobachtung gebotene Praxis der Herrschaft.

Um den Dualismus unserer Zeit, wo Liberale auf der einen Seite und Konstruktivisten, welche überspitzt formuliert der „naiven Wahrnehmung der Welt“ freimütig mit der These „alles für das Volk, aber möglichst wenig durch dieses“(repräsentative Demokratie) zu begegnen scheinen, auf der anderen stehen, zu begreifen, ist es notwendig, die Ausrichtung der Gegner zu durchleuchten.
Was die Liberalen als abscheulichen Hochmut einer sich als geistige Elite wähnenden Lenkungskaste bezeichnen möchten, fühlen die Konstruktivisten, sich selbst in eben dieser Position einer höheren Bildung und Moral glaubend, den Auftrag, der Subjektivität in der Wahrnehmung der Bevölkerung Objektivität einzuhauchen.
Wenn wir so wollen, scheinen die Konstruktivisten die derzeitige Macht-Elite zu stellen bzw. in ihrem Wesen nichts anderes als die kirchlichen und weltlichen Würdenträger zu Zeiten Machiavellis zu sein.

Beispiele dieser Herangehensweise finden wir unter anderem in der Unterscheidung zwischen einem subjektiven und objektiven Sicherheitsgefühl, oder der (bei sonstiger gesellschaftlicher Ächtung) Verpflichtung zu „tugendhaftem Verhalten“, die sich sowohl in der Sprache(political correctness), als auch dem Umgang mit Einem fremden Verhaltensweisen auszudrücken scheint.

Verantwortungsethik im Sinne Machiavellis sollte nicht als „der Zweck heiligt die Mittel“ missverstanden werden, sondern, wie einst treffend durch Max Weber formuliert, „dass man für die vorraussehbaren Folgen seines Handelns aufzukommen hat“ und sich nicht alleinig im Rahmen der Gesinnungsethik auf niedergeschriebene moralisch ethische Grundsätze bzw. Handlungsanweisungen/verbote, stammen sie nun aus religiösen Schriften, oder Manifesten, beschränkt.

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