Akira | Gedankenspiel [Kultfilm #2]

Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe meines Formats Kultfilm, in dem ich mich mit einem analytischen Blick auf Kultfilme stürze. Heute geht es um Akira. An dieser Stelle spreche ich eine Spoilerwarnung aus.

Die bisherigen Kultfilme:


Akira ist ein Animefilm aus dem Jahr 1988. Die Regie übernahm Katsuhiro Otomo, der auch für die Mangavorlage verantwortlich war. Der Film gilt weithin als Klassiker des Animes und hatte viel zur steigenden Popularität von Animes sowie Mangas in der westlichen Welt beigetragen.

Es gibt einige Aspekte, in denen der Film aus den Animes der heutigen Zeit heraussticht und bis heute erwähnenswert ist. Da hätten wir die Handlung die auf drei Ebenen erzählt welche im Laufe des Films zusammenlaufen aber unterschiedlich stark ausgeprägt werden. Man kann den Film in zwei Hälften teilen, wo alle drei Stränge präsent sind.

In der ersten Filmhälfte kommt das sogenannte „world building“ zum tragen. Dabei werden Szenen gezeigt, die mit der eigentlichen kaum etwas zu tun haben aber aufzeigen, wie diese dystopische Welt funktioniert. Daneben laufen die Stränge um Tetsuo und Kaneda, die beide Mitlgieder der gleichen Motoradgang sind. Tetsuo trifft beim Kampf mit einer rivalisierenden Gang einen kleinen sowie altaussehenden Mann der wiederum aus einem Militärlabor geflohen ist. Tetsuo und der Mann (Takashi) werden vom anrückenden Militär gefangen genommen, während Kaneda seinen Freund retten will.

In der zweiten Hälfte des Films wird das „world building“ nach hinten gerückt und die Tetsuo/Kaneda Stränge vertieft. Hier wird der Fokus besonders auf Tetsuo gelegt, der übermenschliche Fähigkeiten entwickelt, dabei jedoch seine Menschlichkeit nach und nach verliert. Sein Werdegang zum Superschurken wird immer wieder von Visionen und Albträumen begleitet, die den Verlust des Körpers beziehungsweise dessen groteske Veränderung thematisieren. Der Body-Horror wird als effektives Stilmittel genutzt und nimmt zum Schluss gigantische Ausmaße an!

Ein weiterer interessanter Handlungspunkt ist Akira. Es wird nie ganz klar wer oder was Akira ist, allerdings scheint Tetsuo zum nächsten Akira werden zu können. Ich vermute, dass Akira eine Art metaphysische Macht ist, denn Akira war für die Explosion in Tokyo 1988 (31 Jahre vor der Filmhandlung) verantwortlich, was wiederum zum dritten Weltkrieg und der Wiedergeburt von Tokio als Neo-Tokyo geführt hat. Das Erscheinen von Tetsuo, der seine Mächte entwickelt, deuten auf eine Rückkehr Akiras und der erneuten Zerstörung sowie Wiederauferstehung Neo-Tokios hin.

Schließlich sieht ein Teil der Bevölkerung des Molochs Neo-Tokyo in Akira eine Art Gott beziehungsweise Heilsbringer, während die großteils korrupte Regierung in Akira (Tetsuo) ein gescheitertes Experiment sieht. Diese Gegensätzlichkeit und Vielschichtigkeit lädt zu reichhalten Spekulationen sowie Diskussionen über die Handlung des Films ein.

Abseits des komplexen Konstrukts der Handlung zeichnet sich Akira durch eine hochwertige Qualität in puncto Animation aus. Statt dem günstigeren Light Animation Verfahrens, wo nur wenige Teile des Bildes animiert sind und Animationsfolien wiederverwendet werden, fanden bei der Produktion von Akira knapp 160 000 Folien Verwendung. Das macht sich in einer deutlich höheren Animationsqualität, als bei anderen zeitgenössischen Werken, bemerkbar.

Ebenso ist der Soundtrack sehr faszinierend und besonders prägend für diesen Film. Neben der Nutzung klassischer Stücke arbeitet Akira mit einem Chor, was bildgewaltige Szenen besonders episch und imposant unterlegt. Der Soundtrack macht sich selbst noch eindrucksvoller, da an gewissen Punkten sämtliche Geräusche verstummen und die dann einsetzende Musik den Zuseher fast erschlägt.

Nutzen Science-Fiction-Filme in der Regel elektronische Musik um actionreiche Szenen zu unterstreichen kommen in Akira neben den Chören und einer Mischung aus europäischer, asiatischer sowie afrikanischer Musik eine markante Trommelmelodie zu Einsatz. Dieses Thema, bestehend aus einem schnellen Trommelrhythmus wird extrem eigentümlich im Kontext des Films, unterstreicht aber auch gleichzeitig die Besonderheit von Akira.


Lasst mich zusammenfassen. Akira gehört zu den wohl wichtigsten Animationsfilmen, die es gibt und besticht durch eine Vielzahl an Themen, Interpretationsmöglichkeiten und Stilmitteln. Wer ein Fan von Animes beziehungsweise Animationsfilmen ist, muss Akira definitiv gesehen haben, gleiches gilt auch für Fans von dystopischen Zukunftsvisionen. Dieser Beitrag soll auch nur als grober Überblick dienen, da dieser Film bedeutend mehr zu bieten hat als nur die Aspekte, die ihn für mich so besonders machen.

Ich werde mir wohl in den nächsten Monaten den Manga Akira zu Gemüte führen, da die Vorlage noch um ein vielfaches komplexer ausfallen soll.

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Jetzt habe ich echt Lust, den unbedingt mal wieder zu schauen. Dieser konstante, immer schlimmer werdende Niedergang dieses Molochs von Stadt, ist für mich der stärkste Aspekt des Films. Ein ultimatives Plädoyer gegen menschliche Hybris.

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