Apocalypse Now (Redux Cut) | Gedankenspiel [Kultfilm #4]

Krieg … Krieg bleibt immer gleich.

Dieses Zitat stammt zwar nicht aus Apocalypse Now, sondern aus Fallout, aber es ist dennoch irgendwie passend und damit herzlich willkommen zur vierten Ausgabe von Kultfilm, dem Format in dem ich & Mara parallel einen Film, der das Prädikat Kultfilm verdient, vorstellen.


Die restlichen „Kultfilme“:


Dabei heben wir Stärken, Besonderheiten aber auch Schwächen der jeweiligen Filme hervor. Für den heutigen Film haben wir uns einen besonderen Vertreter des Anti-Kriegfilms ausgesucht. Apocalypse Now aus dem Jahr 1979 von Francis Ford Coppola. Der Film basiert dabei auf Coppolas Interpretation des Romans Herz der Finsternis von Joseph Conrad und den Vietnamkriegs-Reportagen An die Hölle verraten – Dispatches von Michael Herrs.

Worum gehts im Film mit dem eindrucksvollen Titel?


Benjamin Willard ist Mitglied einer amerikanischen Spezialeinheit und erhält den Auftrag, den abtrünnigen, angeblich verrückt gewordenen Colonel Walter Kurtz zu ermorden. Mit einem Patrouillenboot und einer kleinen Einheit begibt sich Willard auf eine Reise zu Kurtz’s Versteck im Dschungel von Kambodscha. Kurtz herrsch dort angeblich wie ein König über seine Anhänger.

Auf dieser Odyssee lernt Willard den Wahnsinn und die Widersprüchlichkeit in all seinen Facetten kennen.


Apocalypse Now lebt in erster Linie von den Dialogen und inneren Monologen der Figuren. Durch den Einblick in Willards Gedankenwelt wird die Grausamkeit des Krieges und Menschen dadurch verändert werden äußerst eindringlich widergespiegelt. Außerdem spielt der Verlust der Menschlichkeit wegen diesem schier endlosen Konflikt eine tragende Rolle. Dies sieht man besonders gut als die Truppe mit dem Boot eine umkämpfte Brücke sowie ein Lager, in einem desaströsen Zustand, passiert.

Ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es keinen Platz mehr für Menschlichkeit. Dann übernehmen entweder animalischen Instinkte oder Katatonie tritt ein, die jegliche Regung (emotional wie physisch) unmöglich macht.

Durch den Fokus auf den Dialogen muss der Zuseher einiges an Sitzfleisch & Durchhaltevermögen mitbringen, besonders wenn man die Laufzeit des wesentlich umfangreicheren Redux Cut mit 202 Minuten bedenkt. Auch wenn man dies dem Film ankreiden kann so ist es dennoch faszinierend Captain Willard auf dieser Odyssey durch die Hölle zu begleiten, da es für den Zuseher ebenso zermürbend sein kann wie für den Protagonisten bis man endlich Colonel Kurtz erreicht nur um dann seine umfangreiche Sichtweise der Dinge zu verstehen. Es wird die völlige Sinnlosigkeit dieses Krieges dargestellt, der nicht zu gewinnen ist aber trotzdem nicht beendet werden kann aus geo-politischen Gründen und simplen Prestige für die Regierung.

Abseits davon ist es durchaus erwähnenswert, dass der Film nicht versucht die politische Seite des Vietnamkrieges, sondern die psychologische Seite zu beleuchtet. Dies wird besonders im Redux Cut ersichtlich, wenn wesentlich mehr Einblicke in die seelischen Abgründe der Figuren gewährt werden und der Krieg mit einer derart zwiespältigen Ästhetik und Faszination dargestellt wird, ohne ihn zu verherrlichen.


All diese Besonderheiten und Elemente würden ohne eine starke Besetzung nicht funktionieren und die schauen wir uns jetzt an. In den beiden „großen“ Hauptrollen sehen wir Martin Sheen als Erzähler/Captain Willard und Marlon Brando als Colonel Walter E. Kurtz. Während wir mit erstgenanntem die meiste Zeit verbringen und seine inneren Dialoge sowohl die Handlung als auch die menschlichen Abgründe kommentieren ist Kurtz für die Darstellung der Folgen des sinnbefreiten Krieges zuständig. In langen Dialogen, zwischen den beiden wird immer klarer welche tiefen Wunden hinterlassen werden und was der Krieg letztlich aus einem macht/machen kann.

Sehr gut sieht man dies auch an der Besetzung der Mannschaft des Patrouillenbootes. Über die gesamte Laufzeit hinweg stumpft die Truppe immer weiter ab und wird auch verkleinert.

Eine weitere interessante Figur ist Lieutenant Colonel Bill Kilgore, den der Krieg nicht zu brechen vermag. Dieser Charakter ist durch & durch Soldat, was man daran merkt dass der Krieg scheinbar keine Narben bei ihm hinterlässt, sondern mit vollem Herzen kämpft und davon überzeugt ist das richtige zu tun. Allerdings spiegelt dieser Charakter auch am besten den Wahnsinn sowie die Irrealismus des Krieges, da die Aktionen Kilgores zwischen nachvollziehbar und völlig Fahrlässig schwanken!


Da es schwer ist über diesen Film zu schreiben ohne zu spoilern möchte ich ein abschließendes Fazit ziehen. Apocalypse Now ist definitiv ein Highlight der New-Hollywood-Ära und hat den Titel Kultfilm definitiv verdient. Der Film schafft es so dermaßen gekonnt den Wahnsinn, die Folgen und die Grauen des Krieges so geschickt einzufangen/darzustellen wie kaum ein anderer Anti-Kriegsfilm. Dazu kommt eine grandiose, hochkarätige Besetzung, denen man ihre Rollen abkauft. Viele Filme können froh sein eine oder zwei gute Szenen zu haben aber Apocalypse Now ist voll mit diesen Szenen und der Redux Cut besticht durch mehr Szenen, die auf jeden Fall sehenswert sind um noch tiefer in den Film eintauchen zu können.

Wer noch nie etwas von diesem Film gehört hat muss das schleunigst nachholen, denn so einen Anti-Kriegsfilm wird mach sicherlich kein zweites mal erleben, obwohl es sehr viele gute Filme in diesem Genre gibt aber nur einen der so tief in dunkelsten Winkel der Seele vordringt …

Das Prädikat absolut sehenswert ist hier mehr als angebracht. Unterhalb habe ich auch den Beitrag von Mara verlinkt. Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s