Gaming-Geschichten #3: Erinnerungen an 2004 | Storytime

Autor: Enkorman
Homepage: https://enkorman.wordpress.com/


Wir schreiben das Jahr 2004. Einer Zeit in der LAN Partys noch gängige Praxis waren und wir uns, zu solchen, fast jedes Wochenende trafen.

In dieser Zeit fand ein Game mit dem Namen „Splinter Cell – Pandora Tomorrow“ seinen weg auf meine Festplatte und wurde, dank dem neuartigen Multiplayer in dem wir Agenten gegen Söldner spielen, auch als Hauptgame für einer unserer LANs. Doch waren leider nur 3 von uns auch im Besitz eines Rechner, der die nötige Power hatte um dieses Spiel überhaupt zum laufen zu bekommen, weshalb wir uns entschlossen abwechselnd zu spielen. Zwei von uns wurden Söldner und einer Agent, sollte der Agent Erfolg haben, wird er ausgetauscht und sollte einer der Söldnern den Agenten erledigen, so wird sein Platz ausgetauscht. Im nach hinein erscheint auch mir die Belohnung für einen Sieg eher seltsam, aber was soll´s, damals hat es unglaublich Spaß gemacht.

Nach einer Weile war es endlich an mir, zu beweisen das ich eins mit den Schatten bin und ein Sieg der Söldner ausgeschlossen sei, da ich über ausreichend „Skill“ verfügte (ja ich war relativ überheblich was meine Gaming Fähigkeiten anbelangte).

Als Veteran diverser Shooter und Action Games waren meine Reflexe trainiert.

Als Freund von Strategie und Point-and-Click Adventures war meine Wahrnehmung und mein strategisches Denken geschärft.

Als Überlebender diverser Horror spiele, war ich es gewohnt, unter Stress zu Operieren.

Doch nichts davon hätte mich auf den Schrecken dieser einen Runden „Splinter Cell“ vorbereiten können.

Wir starteten auf einer Map, dessen Name mir beim besten willen nicht mehr einfallen will. Es handelte sich um eine Art Bürokomplex mit diversen kleinen Räumen und vielen Fenstern.

Für mich war der Weg klar. Erzeuge eine Ablenkung im unteren Part des Gebäudes um die Söldner dahin zu locken und erklimme gleichzeitig die Fassade des Gebäudes um an den Zielpunkt im oberen Part zu gelangen.

Der Plan war Perfekt und wurde mit der Präzision eines wahren Meisters ausgeführt (überheblich, wie schon gesagt) und es gelang mir Zugang zum Missionsziel zu erhalten. Doch ich hatte eines nicht berechnet.

Das fehlende kollegiale Gefühl meiner Kontrahenten. Anstelle als Team vor zu rücken und auf meine Ablenkung herein zu fallen, wagten meine Feinde sich auf zu teilen!

Wirklich entsetzlich, nicht wahr?

Aufgrund dieses Affronts, meines taktischen Verständnisses, unterlief mir ein Fehler und ich wurde erspäht. Schnell nahm ich meine Beine in die Hand und Stürmte zurück, in Richtung des kleinen Raumes, den ich als Zugangspunkt gewählt hatte.

Laute Rufe ertönten auf der anderen Seite meines Bildschirms, als meine Widersacher sich über meinen Aufenthaltsort austauschten. Mit meinem rasenden Herz in den Ohren rannte ich, vorbei an diversen Fluchtmöglichkeiten, fixiert auf einen Plan wie durch einen Tunnel. Hinter mir wurden Salve um Salve entfesselt, in der Hoffnung meinem Treiben ein Ende zu setzten, doch vergeblich. Es gelang mir den Raum zu erreichen, doch merkte ich das mein Fenster, welches meine Flucht ermöglichen sollte, mit einer Sprengfalle versehen war. Mit dem Rücken zur Wand fasste ich einen tollkühnen, vielleicht auch dummen Entschluss.

Ich kletterte auf den Schrank der auf der Ecke stand und schoss auf die Sprengfalle, was sie zur Explosion brachte. Dann deaktivierte ich, in bester Straußenmanier, alle meine Optiken und hüllte mein Bild ins Dunkel. In genau diesem Moment erreichten meine Verfolger den Raum in dem ich mich Versteckt hielt. Wie ich es gehofft hatte, liefen sie sofort zu dem Fenster um mich aufzuspüren. Ich hörte ihren Aufgebrachten Austausch: „Er ist runter, wir müssen hinterher!“ sprach einer der beiden Söldner, hinter seinem Bildschirm. „Bist du Sicher, vielleicht will er das wir das Glauben?“ ertönte die andere Stimme. Ich merkte das einer von ihnen seinen Elektromagnetischen Tracker aktivierte und seinen Blick durch den Raum schweifen lies. Doch da ich meine Nachtsicht abgeschaltet hatte, blieb ich vor seinem Auge verhüllt. Mein Herzschlag drohte den Gamesound zu übertönen, ich verspürte Stress und Anspannung. Nach einem gefühlten Ewigkeit, wand sich der Söldner wider der Tür zu und war im begriff seinem Partner zu Folgen. Ein leises Seufzen, war meine einzige Reaktion … mein einziger Fehler. Scheinbar alarmiert durch meine Erleichterung, drehte er sich wieder in den Raum und fuhr noch einmal, langsam und methodisch den gesamten Raum ab, wobei er immer wieder durch die Verschiedenen Optiken seiner Brille schaltete. Der Lichtkegel seiner Taschenlampe wanderte quer durch den Raum. Wie ein Hai auf der Suche nach Beute, näherte er sich unaufhörlich meiner Position. Mein Herz drohte schon fast zu platzen vor lauter Anspannung, als ich da, noch immer auf meinem Schrank, hockte.

Und es geschah das wohl unausweichliche, der Lichtkegel fiel genau auf meinen Zusammengekauerten Körper. In diesem Moment könnte ich schwören mein Herz hatte ausgesetzt. Ich hörte auf zu Atmen und wurde Starr. Eine Angst, wie ich sie nicht einmal bei Horror Games erlebt hatte, kroch mir in die Knochen.

Doch zu meiner Überraschung, schien er mich trotz des Lichtes nichts zu bemerken und so machte der Söldner wieder kehrt und überließ wieder den Schatten. Voller Unglauben wartete ich noch einen Moment, bis ich von dem Schrank herunter kletterte und machte mich schleunigst auf den Weg zu dem Fenster. Ein kurzer Sprung und ich war entkommen. Erst da merkte ich, das ich noch immer die Luft an hielt. Ich holte Luft und zusammen mit dem Sauerstoff, durchfuhr Adrenalin meinen Körper. Ich begann zu zittern, weshalb ich aufstand und mich von dem Game entfernte. Verwirrte Blicke folgten mir, von meinen LAN Party Kollegen, als ich im laufenden Spiel, schweigen auf die Terrasse ging und mich dort auf die Hollywoodschaukel saß.

Nach einer weile, ging ich wieder herein und sah wie mein Platz von unserem vierten Mitspieler in Beschlag genommen wurde. Und was soll ich sagen, ich konnte es ihnen nicht verübeln, dass sie ohne mich weiter Zocken wollten.

In meiner kleinen Welt, in meinem Kopf, hatte ich gesiegt.

Auch wenn ich das Missionsziel nicht erfüllt hatte.

Auch wenn diese Runde abgebrochen wurde.

So hatte ich dennoch überlebt, denn genau so fühlte es sich an.

Dies war eine Meiner Gaming Geschichten.

Niemals zuvor hatte ich ein derart intensives Gefühl der Angst bei einem Spiel und niemals zuvor fühlte ich mich so lebendig, nach einem Spiel.

Ich hoffe diese kleine Geschichte hat euch Unterhalten.

Gezeichnet

Benk (Enkorman)

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