Das Schicksal der Geschwister | A Plague Tale: Innocene | Gedankenspiel

Ich glaube niemand, hat mit A Plague Tale: Innocence gerechnet. Ich habe das Spiel seit der ersten Ankündigung zwar irgendwie immer auf dem Schirm aber richtiges Interesse fehlte.

Allerdings wurde das Spiel von der Fachpresse sehr gelobt und ging im Internet massiv viral. Viele Leute sprachen über das Spiel und mein Interesse geweckt. Also habe ich es mir kurzerhand gekauft, ausgiebig gespielt und vor kurzem beendet. Dabei sind mir einige Besonderheiten aufgefallen, besonders bei den Aspekten Handlung und Charakterentwicklung aber lasst mich ins Detail gehen!


Ein Junge, eine junge Frau, die Pest, eine dunkle Macht und die Inquisition

Mit dieser Überschrift lassen sich die Kernelemente von A Plague Tale hervorragend beschreiben aber die Geschichte ist wesentlich tiefgreifender und lässt sich mit Dark-Fantasy-Mittelalter-Thriller am besten klassifizieren. Lasst mich aber am Anfang beginnen …

Amicia de Rune lebt mit ihrem Vater, ihrem Bruder Hugo und ihrer Mutter Beatrice als Mitglieder des Landadels in Frankreich. Hugo ist seit seiner Geburt krank, durfte deswegen den Landsitz nie verlassen, und seine Mutter ist eine begabte Alchemistin, die an einem Heilmittel für ihren Sohn arbeitet. Eines Tages wird das Anwesen von Truppen der Inquisition unter der Führung von Lord Nicolas angegriffen. Dabei stirbt nicht nur ein Großteil der Belegschaft, sondern auch Amicias und Hugos Vater Robert. Auf ihrer Flucht aus dem Anwesen wird offenkundig auch Beatrice ermordet. Somit sind die Geschwister auf sich allein gestellt ..

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Ohne Heimat, Familie, Freund und Schutz begeben sich die beiden auf eine lange Reise, um sowohl einen sicheren Ort als auch ein Heilmittel für Hugo zu finden. Immer verfolgt von der Inquisition und der Pest in Form von tödlichen schwarzen Ratten stoßen die beiden auf ein dunkles Geheimnis in Hugo, dass den Lauf der gesamten Welt beeinflussen könnte. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt denn die Inquisition eröffnet die Jagd und die Pest greift immer weiter um sich …

Erzählerisch und Inszenatorisch gehört A Plague Tale definitiv zu den besten Spielen dieses Jahres, wenn nicht sogar zu den besten der letzten Jahre. Das Spiel nimmt sich das Spiel unfassbar viel Zeit für seine Charaktere, die sich im Laufe des Spiels entwickeln und immer weiter vertiefen. Außerdem werden die Beziehungen zwischen den jugendlichen Hauptfiguren stark fokussiert wobei Amicia und Hugo klar im Fokus stehen.


Atmosphärisch gehört A Plague Tale zu den besten Spielen des aktuellen Spielejahres 2019 und kann sich locker mit einem Giganten wie Resident Evil 2 messen wobei wir hier kein reines Horrorspiel haben. A Plague Tale vermischt die Genres Horror, Dark-Fantasy und Mittelalter-Drama zu einem interessanten Mix, dessen beklemmende Atmosphäre entfernt an ein Dark Souls erinnert. Unterstrichen wird die dichte Atmosphäre durch eine hervorragende Licht & Schatten-Setzung, die den Horror durch die todbringenden Ratten nur noch verstärkt.

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Dabei schafft es das Spiel zu diversen Tag/Nacht Zeiten unheimlich zu wirken und selbst eine „simple“ Erkundung in einem scheinbar fast entvölkerten Dorf wird zu einem kleinen Höllentrip, der es in sich hat.

Außerdem funktioniert das Zusammenspiel von Umgebungssound, deutscher Synchronisation und Soundtrack sehr gut. Akustisch wird die Atmosphäre weiter verdichtet und die Erwartung auf irgendetwas grausig gesteigert.


Leider ist aber nicht alles an A Plague Tale perfekt. Das Gameplay ist die größte Schwäche des Spiels und hier haben die Entwickler etwas gepatzt oder einfach nicht gewusst wie man die einzelnen Level sinnvoll mit spielerischen Elementen füllen soll. So gibt es beispielsweise Kämpfe und sogar vereinzelte Bosskämpfe aber die sind eigentlich, als rudimentär zu bezeichnen während die Bosskämpfe sogar ein schlechter Witz sind. Es gibt kaum eine Herausforderung und leider fehlt die „freie“ Kombination der verschiedenen alchimistischen Waffen unserer Protagonistin. Im Endeffekt besteht der Kampf nur aus dem auf Distanz halten der Gegner, das richtige Mittel einzusetzen und anschließend mit einem beherzten Steinwurf den Kampf zu beenden.

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Im krassen Gegensatz dazu stehen die Schleichmechaniken von A Plague Tale. Wenn man sich leise an Feinden vorbeischleichen muss, die Umgebung nutzt, um Gegner abzulenken und sich dabei an simplen Rätseln versucht funktioniert das Spiel definitiv am besten. Es entsteht ein gewisser Nervenkitzel sich an Feinden heimlich vorbeischleichen und gegebenenfalls die meist allgegenwärtigen Ratten zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Abseits davon gibt es ein paar Sammelaufgaben und diverse Encounter, welche aber den Sinn einer Vertiefung der Spielwelt haben und glücklicherweise zu 100% optional sind. Weiters gibt es diverse Upgrades für die Ausrüstung des Spielers freizuschalten und etwas Ressourcenmanagment aber beide Aspekte beeinflussen den Schwierigkeitsgrad eher minimal.

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Zusammengefasst ist A Plague Tale: Innosence ein hervorragendes Videospiel, dass klar den Fokus auf die Figuren sowie die Geschichte legt und dabei das Gameplay etwas vernachlässigt, aber damit kann man Leben. Schließlich wird man mit einer spannenden, emotionalen Handlung belohnt die voller Mysterien, denkwürdiger Figuren sowie Schurken und Wendungen steckt. Das Spiel hat seine Lorbeeren definitiv verdient und wer auch nur ein bisschen an storybasierten Adventures interessiert ist sollte diesem Spiel definitiv eine Chance geben.

Seit Kingdom Come: Deliverence wurde uns wohl kein spannenderes Drama mit europäischen Mittelalter präsentiert, dass dazu noch eine ebenso dunkle wie faszinierende Ära behandelt.

Kann ich dieses Spiel also empfehlen? Kurz und knapp; JA!

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

5 comments

  1. Gebe dir da recht: Ziemlich dünnes Gameplay, aber angesichts der Tatsache, dass es sich hier im Kern um ein Story-Adventure handelt, ist das verschmerzbar. Vielleicht hätte man da sogar noch ein wenig mehr ausdünnen sollen. Die Handlung selbst hatte für mich, nach einigem Überlegen, gegen Ende doch einige spürbare Schwächen. Was ich ihm aber hoch anrechne, ist die Figurenzeichnung. Gerade Videospiele tun sich ja mit jüngeren Figuren sehr schwer.

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    1. Welche Schwächen wären dir zum Schluss hin noch aufgefallen? 🤔

      Das stimmt allerdings. Videospiele tun sich echt schwer mit jüngeren Figuren und oftmals auch mit starken, weiblichen Figuren. 😅

      Ich bin mir zwar nicht sicher aber A Plague Tale hätte auch ein hervorragender interaktiver Film werden können wie Heavy Rain oder vielleicht sogar was in Richtung FMV wie The Bunker. 🤔

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      1. Der bzw. die Antagonisten stellten sich am Ende leider als ziemlich flache Figuren heraus, die einfach nur an großer Macht interessiert waren, beispielsweise. Oder dass die beiden überlebenden Mitstreiter zum Schluss keine Rolle mehr für Handlung spielten. Ich fand auch, dass das Spiel am Ende sehr wenig aus der Beziehung zwischen Amicia und Hugo macht (im Prolog wird das zum Glück nochmal aufgegriffen).

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      2. Nun das stimmt. Ich fand ja den Kommandaten der Inquisition cool als gesichtsloser Schurke, leider musste der ja abtreten. Der „Erzbischof“ der Inquisition war über weite Strecken der Story interessant aber leider flacht der zum Ende hin wirklich ab. Ich glaube der Kreis der Verbündeten diente nur dazu um den beiden Hauptfiguren ein paar Gesichter für die Interaktion zu geben. 🤔

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