Filmvergleich: Watchmen Kinofassung vs Ultimate Cut | Gastbeitrag von Ainu89

Danke an Ainu89 für diesen tollen Vergleich!


Nachdem DerStigler so nett war und mich gebeten hatte für sein Special zum Thema „Watchmen“ etwas beizusteuern, fiel die Überlegung zunächst auf die neue Sky-Serie. Nachdem ich aber nun einmal kein Sky habe (und auch keines möchte), wurde aus der Idee nichts. Zum Glück war schnell die nächste gefunden, denn ich hatte meinem Mann erst zu Weihnachten den, endlich auch auf Deutsch erschienenen, „Ultimate Cut“ der Verfilmung geschenkt. Nach einer kurzen Rücksprache war also klar, es wird ein Filmvergleich zwischen der Kinoversion und dem Ultimate Cut. Mit dem Thema für den Artikel ging dann aber die nächste Überlegung einher: Wie sollte ich den Artikel gestalten? So ähnlich wie bei einem Wettkampf, wo ich die beiden Kontrahenten in unterschiedlichen Kategorien gegeneinander antreten lasse? Oder doch lieber etwas sachlicher, indem ich all die Unterschiede tabellarische anführe? Entschieden habe ich mich schließlich weder für das eine, noch für das andere, sondern einen dritten Weg gewählt, indem ich euch im Folgenden darlegen will, wieso ich die Ergänzungen und Erweiterungen des Ultimate Cut als sinnvoll erachte, für eine aller erste Sichtung aber dennoch immer die Kinoversion vorziehen und empfehlen würde.

Starten möchte ich aber erst einmal mit ein paar einleitenden Worten zu der Verfilmung an sich. 2009 war es soweit. Comicfans weltweit saßen gespannt in ihren Kinositzen, immerhin hatte sich ein Regisseur namens Zack Snyder, damals vor allem durch seine letzte Regiearbeit, die filmische Adaption des Comics „300“ bekannt, an die Verfilmung des unter Kennern äußerst beliebten Watchmen-Comic gewagt. Zu diesem Comic gibt es hier auf diesem Blog übrigens schon einen sehr spannenden Beitrag, den ich euch hiermit ans Herz legen möchte. Aber zurück zum Thema, die Erwartungen waren also groß, denn Snyder hatte mit besagter 300-Verfimung bewiesen, dass er ein unfehlbares Auge für Style und Coolness besaß. Und tatsächlich wurde „Watchmen“ zum Erfolg und zählt heute, ganz zu Recht, für viele zu den besten Comicverfilmungen aller Zeiten. Das war auch möglich, weil bereits die Kinoversion eine respektable Laufzeit von 163 Minuten vorweist, wodurch der Komplexität der Geschichte und Figuren genügend Rechnung getragen werden kann. Doch, wie bei jedem anderen Film auch, musste vieles auf dem Boden des Schneideraumes zurückgelassen werden. Kein Wunder also, dass, auch dank der anhaltenden Begeisterung für das Werk, es nicht lange dauerte, bis ein „Director’s Cut“ auf dem Markt erschien, der noch einmal zwanzig Minuten an Material drauflegte und so auf eine Laufzeit von knapp über zwei Stunden kommt. Doch das war den Verantwortlichen offenbar immer noch nicht genug, denn einige Zeit später entschieden sie sich, den Fans besagten „Ultimate Cut“ zu präsentieren. Dieser trumpft mit ganzen 215 Minuten Laufzeit auf und beweist damit eindrücklich, wer hier der Platzhirsch ist.

Natürlich sind auch hier die erweiterten und ergänzten Szenen des Director’s Cut enthalten, ein schönes Zuckerl, sicherlich, aber nichts was das Kraut wirklich fett machen würde. Manche Dialoge werden erweitert, einige ganz neue Szenen kommen hinzu, aber für das Verständnis der Geschichte wäre nichts davon wirklich dringend nötig gewesen – was wahrscheinlich mit ein Grund ist, wieso diese Ergänzungen zuerst dem Schnitt zum Opfer gefallen waren. Der größte und offensichtlichste Unterschied zwischen der Kinoversion und dem Ultimate Cut ist allerdings die Einfügung der Zeichentrickgeschichte „Tales of the Black Freighter“. Diese ist im Ultimate Cut in die Handlung eingewoben, sodass zwischendurch immer wieder Ausschnitte der gezeichneten Piratengeschichte eingeschoben werden. Diese Geschichte ist es, die dem Film eine neue Ebene verleiht, die sich einem zunächst nicht so recht erschließen möchte, im Nachhall allerdings ihr volles Potenzial offenlegt. Denn die düstere Mär von einem Seefahrer, der aufgrund eines Überfalls durch Piraten Schiffbruch erleidet, auf einer einsamen Insel anspült wird, feststellen muss, dass all seine Freunde gestorben sind und über dem unstillbaren Wunsch, seine Familie wieder sicher in die Arme schließen zu können, wahnsinnig wird, ist nichts weniger als eine Analogie auf die Haupthandlung und einige Charaktere. An dieser Stelle eine kurze Spoilerwarnung, denn es ist unmöglich darzulegen, worin die Ähnlichkeiten bestehen, ohne gewisse Handlungselemente zu verraten – ich werde mich allerdings bemühen, diese so vage wie möglich zu halten. Am offensichtlichsten kommt das verbindende Element der beiden Geschichten in der Figur der Ozymandias zum Vorschein. Ein Mann, der, von seinem eigenen Wahn getrieben, bis zum Schluss nicht einzusehen vermag, dass ihn sein eigener Verstand getäuscht hat und seine Taten keine Erlösung, sondern ein abscheuliches Verbrechen sind. Aber auch wenn wir uns die Figur des Dr Manhattan genauer anschauen, finden wir Gemeinsamkeiten, denn hier haben wir einen Mann, der sich quasi wie eine einsame Insel fühlt und seine Verbindung zu den Menschen, und dem Menschsein als solches, immer weiter zu verlieren droht, bis er schließlich zum scheinbaren Bösewicht der Geschichte mutiert. Und selbst Rorschach, als von Dämonen getriebene Seele, die so verbissen dem eigenen Moralkodex folgt, dass es ihm schließlich das Leben kostet, lässt sich ein Stück weit in „Tales of the Black Freighter“ wiederfinden. Nötig wäre diese zusätzliche Geschichte sicher nicht, immerhin bietet der Film auch ohne diesen Zeichentrick genügend Material, um einem all die beschriebenen Dilemma vor Augen zu führen. Unterhaltsam, und ein bisschen frischer Wind für alle, die den Film bereits mehrere Male gesehen hat, ist es aber auf jeden Fall – auch weil „Tales of the Black Freighter“ schon für sich genommen eine wirklich gelungene Zeichentrick-Kurzgeschichte ist.

Wie man sicher aus der obigen Beschreibung herauslesen kann, bin ich von dem Laufzeit-Biest namens Ultimate Cut durchaus angetan, und doch muss ich, wie in der Einleitung bereits angekündigt, sagen, dass ich niemandem, der den Film noch nicht kennt, diese Version empfehlen würde. Denn so spannend das Grübeln über die Verbindungen zwischen den beiden Geschichten auch sein kann, das Einfügen der einen in die anderen nimmt doch recht viel Tempo aus der eigentlichen Geschichte um die Watchmen und führt zu deutlich spürbaren, auf den ersten Blick recht willkürlichen und nutzlosen Unterbrechungen. Das mag für jemanden, der bereits weiß, wohin die Reise geht, nicht wirklich störend sein, wer allerdings die Geschichte zum aller ersten Mal in filmischer Form erleben möchte, dem würde ich zu der deutlich homogeneren, temporeicheren Kinoversion raten.

Das war es von meiner Seite aus, ich hoffe euch hat der Beitrag gefallen und wir lesen uns bald wieder – entweder hier oder auf meinem eigenen Blog 🙂 .


Mehr zu Watchmen – Doomsday Clock


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